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Mitglieder-Rundbrief April 2009

1. Der Tegernsee als gewaltiges Hochwasser-Rückhaltebecken: Nachdem die SGT unter den Ersten war, die bereits im März 2005 Bürgermeister, Gemeinderäte und Bürger zu einer Vorstellung der Planung durch das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim eingeladen hatte, wir aber nicht – wie versprochen - über alle Neuentwicklungen informiert wurden, wandten wir uns am 11.2.2009 an den Projektleiter Christof Wiedemann, um ihm all die Fragen zu stellen, die von Talbürgern an uns herangetragen wurden. Auch die Tatsache, dass die Mehrheit der Bürger die Meinung vertritt, dass es auf jeden Fall besser wäre, diesen gravierenden Eingriff in den Naturhaushalt des Tegernsees nicht zuzulassen, wurde in unserem Schreiben mitgeteilt. Das Raumordnungsverfahren ist bereits abgeschlossen und der Fragenkatalog der Gutachter der Tal-Bürgermeister angeblich beantwortet. Allerdings wurde das Projekt bisher sehr lückenhaft präsentiert und - so der Kommentar der Tegernseer Zeitung - "das Frage- und Antwortspiel wird nun munter weitergehen, die Experten sich gegenseitig mit immer neuen Gutachten übertrumpfen". Herr Wiedemann versprach, Mitte des Jahres einen Informationsabend für die SGT zu veranstalten. Wir werden für den Tag danach gerüstet sein und einen Aktionsplan in der Schublade haben (z.B. Unterschriftenaktion). 2. Zu Tegernsee: Der Schmetterlingsgarten, oder, wie ein königlicher Garten zum Parkplatz wurde: Als SGT haben wir keinen Anspruch auf Information aus erster Hand. Wer diese Planung und wann beraten und beschlossen hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Eine Redakteurin der Tegernseer Zeitung informierte mich, dass die Genehmigung bereits eine ganze Weile zurückliegt, die Umsetzung aber erst Ende letzten Jahres in Angriff genommen wurde. Im November sind wir dann von den Bauarbeiten überrascht worden und gaben umgehend eine Stellungnahme an die Zeitung. Die wurde allerdings erst am 20. Februar veröffentlicht. Prof. von Busse formulierte es sehr richtig: "Auch bei maßvoller Vergrößerung der Auto- Parkflächen hätte ein befähigter Landschaftsarchitekt mit Phantasie und künstlerischem Geschick eine gleichwohl qualitätsvolle Gartenanlage hier gestalten können. Solche Chancen jedoch scheitern hierzulande an einer unbeirrbaren lern- und einsichtsresistenten Mittelmäßigkeit." Der jetzige Biergarten vor dem Bräustüberl erinnert in nichts mehr an einen echt-bayerisch-gemütlichen Ort - nur an Massenabfertigung. In einer Pressemitteilung haben wir uns Anfang März auch zu der geplanten Stegtrasse ab August-Macke-Anlage geäußert, durch die das Tegernseer Seeufer auf einer Gesamtlänge von mindestens ca. 400 m verstegt und verbrückt werden soll. Die architektonisch wenig ästhetische Gestaltung beeinträchtigt ganz erheblich das gewohnte, gewachsene Tegernseer Uferlandschaftsbild. 3. Zu Bad Wiessee: Eine Stellungnahme erfolgte vor einer Woche zur Bebauung einer der letzten ursprünglichen und noch immer landwirtschaftlich genutzten Wiesen in Abwinkl, deren Erhalt von großer Bedeutung für das Uferlandschaftsbild darstellt, mit freiem Blick auf See, Berge und gegenüberliegendes Ufer. In einem amtlichen Schreiben der Regierung von Oberbayern wurde bereits 1977 festgestellt, dass eine Bebauung eine städtebauliche Fehlentwicklung bedeuten würde. Die SGT teilt diese Einschätzung - vor allem auch im Hinblick auf die prekäre Hochwassersituation und das sich in der Schwebe befindende Verfahren zum Tegernsee als Hochwasserrückhaltebecken. Sollte tatsächlich privates Wohnen Ziel der Bauanträge sein, könnte die Gemeinde dem Eigentümer vielleicht alternativ ein anderes Grundstück mit Baurecht aus dem Bestand der Gemeinde zum Tausch anbieten. Außerdem steht in Bad Wiessee der dritte "Wohnpark" zur Bebauung an, das ca. 10000 qm große Gelände mit altem Baumbestand, der Jägerhof. Das mächtige Bauernhaus, ein charakteristisches Wahrzeichen oberbayerischer Baukultur und überlieferter Tradition, soll dabei abgerissen werden, um auf der Fläche Wohnungen und Häuser zu bauen. Erst- und Zweitwohnungen, die dann- wie z.B. am Semmelberg - zu einem großen Teil leerstehen, weil nicht genügend Kaufinteressenten Schlange stehen und die Neubauten für Einheimische oft zu teuer sind. Für derartige Spekulationsobjekte werden Jahr für Jahr mehr von unserer Identität, Atmosphäre, Tradition, Natur - also alles Trümpfe im Hinblick auf einen florierenden Tourismus - geopfert. Stellungnahme der SGT folgt. 4. Zu unserem Schwerpunkthema "Gut Kaltenbrunn": Wieder und wieder müssen wir uns des Vorwurfs erwehren, wir seien schuld daran, dass man nun den herrlichen Biergarten nicht mehr genießen könne. Erstens haben nicht wir das richtungweisende Urteil im vergangenen Sommer gefällt, sondern der Oberste Bayerische Verfassungsgerichtshof. Zweitens - wäre das Urteil anders ausgefallen, so hätten ab 01.09.2008 die Bagger ihr zerstörerisches Werk begonnen. Im November der tragische Tod von Stefan Schörghuber und die weltweite Finanzkrise. Es braucht wenig Fantasie, um sich vorzustellen, wie es jetzt am schönsten Platz des Tals aussähe! Franz Kotteder von der SZ meinte im vergangenen Juli in seiner Kolumne von den "höheren Werten": "Wer die Umbaupläne sah und glaubte, vom historischen Ensemble wäre noch viel übrig geblieben, der glaubt auch, dass stadtbekannte Roßtäuscher edle Araberhengste verkaufen". Nach vielen vergeblichen Versuchen, die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt zum Vollzug des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes zu bewegen und unterlassene Maßnahmen zum Erhalt des denkmalgeschützten Baubestandes vom Eigentümer einzufordern, hat sich unser engagierter Anwalt Fabian Gerstner nun in einem ausführlichen Schriftsatz an die Regierung von Oberbayern gewandt. Ein gleichlautendes Schreiben ging ebenfalls an das Bayer. Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, sowie an den Landesdenkmalrat. Ziel der Eingabe ist, einen endgültigen Verfall des Gesindehauses, eines der ältesten Baudenkmäler des Tales und von den Mönchen, wie vom König so fein in den Vierseithof eingefügt, zu verhindern und damit den Verlust eines mehr als bedeutenden Denkmals für den Freistaat Bayern. Zurückzuführen auf eine jahrelange Untätigkeit von Seiten der Unteren Denkmalschutzbehörde am Landratsamt. Möglich wäre im Fall von Kaltenbrunn sogar eine sog. "Ersatzvornahme", d.h. der Staat lässt die notwendigen Reparaturen vornehmen und schickt die Rechnung an den Eigentümer. Inzwischen ist die Plane zwar auf dem Gesindehausdach wieder angebracht, aber um den Kamin ausgeschnitten, sodass hier wieder Feuchtigkeit eindringen kann. Es ist außerdem anzunehmen, dass durch das vermehrte Eindringen von Wasser in den letzten Monaten, dies durch die Plastikplane nicht verdunsten kann und so im Gesindehaus ein Klima wie im Treibhaus entsteht. Das Urteil des Obersten Bayerischen Verfassungsgerichtshofs hat bayernweit für eine unglaubliche Signalwirkung gesorgt. Mit fast allen Bürgerinitiativen (Garmisch, Berchtesgaden, Sachrang, Auerberg, Isental, Miesbach, Pfaffenhofen, usw.) zum Erhalt von Heimat, Natur und Tradition sind wir in Kontakt. Vor einigen Wochen erreichte uns sogar ein Hilferuf aus Südafrika. Durch Zufall war eine Anwaltskanzlei auf unsere Internetseite gestoßen und bat uns um Unterstützung. In einem Naturschutzgebiet und Biosphärenreservat steht ein Hotel der Schörghubergruppe "Arabella Western Cape Hotel & Spa " und nach der schon sehr massiven ersten Phase soll nun die zweite folgen (siehe Google – links Balken "Bilder“: Arabella Western Cape Hotel & Spa). Auf der Internetseite des Hotels steht sehr bezeichnend: "Die Arabella-Gruppe hat schon Mitarbeiter, die ein Näschen für das Besondere haben" - mitten im Naturschutzgebiet! Wir haben den Anwälten dort Kontaktadressen zur deutschen Presse übermittelt. Bereits im Oktober 08 hat die SGT Bürgermeister von Preysing einen höflichen und versöhnlichen Brief geschrieben, um der fast siebenjährigen Spaltung der Gemeinde in zwei Lager ein Ende zu bereiten und um nicht in der Konfrontation, sondern im Konsens, also möglichst einvernehmlich eine gute und tragfähige Lösung für ein Hotel in Kaltenbrunn zu finden. Unter der Maßgabe, dass Ausmaß und Proportionen in Einklang mit Landschaft, Tradition und Denkmalschutz stehen. Wir haben keine Antwort erhalten, allerdings hatte unsere 2. Vorsitzende Katrin Weber kürzlich ein ausführliches persönliches Gespräch mit Herrn von Preysing in friedlicher Atmosphäre - ein Beginn! Zum Schluss möchte ich Sie alle sehr herzlich zu unserer Jahreshauptversammlung am Freitag, 24. April 2009, um 19:30 Uhr im Gasthof Zur Post in Bad Wiessee einladen. Wir freuen uns sehr auf Karl Roman Schmid, Kreisheimatpfleger und ehemaliger Kreisbaumeister (1970 - 2000) und seinen Lichtbildervortrag zum Thema BAUEN IN DER KULTURLANDSCHAFT am Beispiel des Landkreises Miesbach. Anschließend haben sie Gelegenheit für Fragen und wir alle für eine rege Diskussion aktueller Themen. Außerdem wird auch in diesem Jahr wieder unser "Lichtblick" verliehen. Unsere Internetseiten www.schutzgemeinschaft-tegernseer-tal.de bieten Ihnen ausführliche Informationen zu allen Themen. Der ehemalige Kunst- und Wissenschaftsminister Hans Zehetmair meinte anlässlich des 11. Pfingstsymposiums in Benediktbeuern: "Baukultur bildet sich auf Grund von Haltungen und Einstellungen, braucht Qualitätsmaßstäbe. Sie lassen sich nicht normieren und nicht reglementieren. Sie müssen im Dialog, im produktiven Streit immer wieder neu erarbeitet und im konkreten Fall abgewogen werden. Baukultur muss dafür eintreten, dass die Orientierungsmarke im Spannungsfeld zwischen individueller Nützlichkeit und sozialer Brauchbarkeit die SCHÖNHEIT ist. Sie ist keine Nebensache und sie ist schon gar nicht gefällige Verpackung!" Bitte kommen Sie zahlreich zu unserer Jahreshauptversammlung – der Zusammenhalt mit unseren Mitgliedern ist ausschlaggebend für unser aller Erfolg! Mit freundlichen Grüßen Angela Brogsitter-Finck für den Vorstand der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal

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