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September 2010

Liebe Mitglieder und Freunde der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal, bevor ich zum eigentlichen Grund meines heutigen Schreibens komme, möchte ich kurz innehalten und an unseren Freund Sepp Daxenberger erinnern, der am 18. August 2010, nach schwerer Krankheit, viel zu früh von uns gegangen ist. Einige Tage zuvor seine Frau Gertraud. Eine Tragik, für die man keine Worte findet. Sepp Daxenberger war für mich und für unzählige Menschen ein Hoffnungsträger, der uns erkennen ließ, wie wir leben sollten, damit auch die nächste Generation eine Chance hat. „Weiß-blaue Seele und grünes Gewissen“ zeichneten ihn aus, der Lichtblick am politischen Himmel Bayerns und es ist weit und breit keiner in Sicht, der ihn ersetzen könnte. Wir können nur versuchen, in seinem Andenken und in seinem Sinne gegen die weitere Zerstörung unserer Heimat aufzubegehren. Vor einigen Wochen sah ich in der Kultursendung „Capriccio“ im Bayerischen Fernsehen einen Beitrag über den Wissenschaftler, Naturschützer und Biologen ALFRED RINGLER. Er dokumentiert in seinen Büchern und Bildern die Veränderung der bayerischen Landschaft. Besonders am Herz liegen ihm die Almen, von Menschenhand geschaffene blühende Bergwiesen mit einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Vor kurzem wurde sein letztes Buch „Almen und Alpen - Höhenkulturlandschaft der Alpen, Ökologie, Nutzung, Perspektiven“ der Öffentlichkeit vorgestellt, herausgegeben vom Verein zum Schutz der Bergwelt. Zurückgreifend auf die Fotosammlung seines Vaters vergleicht Ringler auch Ansichten aus vergangenen Jahrzehnten mit dem, was man heute vorfindet, nicht nur auf den Almen, sondern auch in der uns umgebenden bayerischen Landschaft. Ringler dokumentiert, wie Bayern sich über die Jahrzehnte verändert und dabei seine Landschaft frisst. Sein leidenschaftliches Engagement gilt dem Erhalt von Kulturlandschaften im Einklang mit der Natur. Durch „Capriccio“ inspiriert, rief ich Herrn Ringler am nächsten Tag an und fragte, ob er bereit wäre, im Herbst mit seinen Bildern zu uns zu kommen. Zu meiner Freude sagte er sofort zu. Unser Bemühen um den Erhalt von Gut Kaltenbrunn hatte er verfolgt. · Am Donnerstag, 07. Oktober 2010, 19:30 Uhr, im Gasthof zur Post in Bad Wiessee, geht ALFRED RINGLER mit uns auf eine Zeitreise durch Oberbayern und das Tegernseer Land – in Bildvergleichen 1940 – 2010. Thema: KULTURLANDSCHAFT ADÉ??? Wir hoffen, dass sich niemand von Ihnen diesen besonderen Abend entgehen lässt! Eine zweite Einladung gilt der NATURKÄSEREI TEGERNSEER LAND, die den ersten Ansturm schon bewältigt hat und in diesen Tagen auch offiziell eröffnet worden ist. - Sie war 2008 unser „Lichtblick“ Preisträger. – Am Samstag, 06. November 2010 erhalten wir von Mitbegründer Hans Leo eine Führung mit Gelegenheit zu gemeinsamer Brotzeit. Auch hier sind alle Freunde und Mitglieder herzlich eingeladen (Unkostenbeitrag € 3,50€). Abschließend möchte ich kurz auf einige Themen eingehen, die uns in den letzten Monaten beschäftigt und Sorgen bereitet haben: Gewerbegebiet Kreuzstraße: Auf einer Fläche von 3 Hektaren soll ein Abfüll- und Logistikgebäude der Herzoglichen Brauerei Tegernsee entstehen, also am „Grünen Tor“ zum Tegernseer Tal. Die Schaffung dieses neuen Gewerbegebietes – durch Herausnahme aus der Schutzverordnung – stellt eine weitere Flächenverminderung des ohnehin schon stark zerfledderten Landschaftsschutzgebietes Egartenlandschaft um Miesbach dar. „Kreuzstraße“ bedeutet eine Kreuzung uralter Wanderwege, historischer Verbindungswege, also eines besonderen „landschaftlichen Denkmals“ am grünen Eingangstor zu unserem Tal. Die Brauerei hatte aus Vorsicht auch eine wesentlich passendere Fläche bei der VIVO in Warngau reservieren lassen, falls die Kreuzstraße nicht genehmigt werden sollte. Was nicht abwegig scheint, da die Regierung von Oberbayern nach im August 2008 die Fläche an der Kreuzstraße negativ bewertet hat und das Gewerbegebiet an dieser Stelle ablehnte. Grund: das Gebiet sei nicht an eine geeignete Siedlungseinheit angebunden. Wie kommt es nun 2 Jahre später zu einer Genehmigung? Die SGT stimmt mit dem Bund Naturschutz überein, dass diese Planung den Zielen des Landesentwicklungsprogramms und der Regionalplanung entgegen läuft und nicht mit dem Politikziel der Erhaltung unserer bayerischen Landschaft vereinbar ist. Auch die Entwicklung in Ostin treibt uns Sorgenfalten auf die Stirn: Erweiterung des Lifts- und Skibetriebs, ein Teich für künstliche Beschneiung. Kletterwald, etc. Ein Zahnarzt aus Bad Wiessee schrieb kürzlich einen Merkur-Leserbrief: „Jüngstes Beispiel einer weiteren Attacke gegen die Natur ist der Bau einer „Stichstraße“ von der Staatsstraße bei Ostin zum Ödberglift. Der massive Eingriff in eine fast unbeschädigte Moorwiese mit Bachlauf, der Anblick der sich durch beinahe meterdicke schwarze Erde fressende Bagger, offenbaren deutlich das Ausmaß der Naturzerstörung, der Zerschneidung von Lebensräumen und des Landverbrauchs. Beruhigend, dass wir alle über die Förderung aus Mitteln der Konjunkturförderung mit zahlen. Unsere Natur ist ein wichtiges Allgemeingut. Straßen ziehen immer weitere Bebauung nach sich und deshalb ist zu befürchten, dass wir auch hier erst den Beginn weiterer Begehrlichkeiten sehen!“ Wie Recht er hat! In Tegernsee heizt der Seeufersteg weiter die Gemüter an. Staatsminister Georg Fahrenschon schrieb uns noch im Juli – in Antwort auf unser Schreiben (+Stellungnahme) -, dass „ohne Einvernehmen mit den Anliegern eine Realisierung des Vorhabens schwierig erscheint“. Auch Kreisbaumeister Werner Pawlovsky schließt sich in seiner ortsplanerischen Stellungnahme unserer Meinung an, „dass die geplante Verlängerung des Seeuferstegs der Eigenart der Landschaft widerspricht und aus ortsplanerischer/gestalterischer Sicht abzulehnen ist. Das derzeitige gewachsene Erscheinungsbild des Uferbereichs wird dadurch massiv beeinträchtigt. Der Tegernsee würde in diesem Bereich mit einem „Zaun“ versehen, quasi eingefriedet und so vom bestehenden Ufer „abgeriegelt“. Auch die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung lehnt das Vorhaben vehement ab. Trotzdem erteilt das Landratsamt Miesbach die Genehmigung und ignoriert alle Einwände. Über die Hintergründe lässt sich spekulieren... Auch ein geologisches Gutachten (Dissertation Gerhard Daut, Münchner Geologische Hefte der TUM/LMU, MGH B 5) weist auf Gefahren durch subaquatische Massenbewegungen im Tegernsee hin und rät „Hände weg von Uferzonen!“ Inzwischen wurden 5 Klagen beim Münchner Verwaltungsgericht eingereicht, inklusive einer Klage des Herzoglichen Brauhauses Tegernsee. Zu Kaltenbrunn: Die SGT dokumentiert in regelmäßigen Abständen, ob der von Kultusminister Dr. Wolfgang Heubich geforderte Maßnahmenkatalog zum Erhalt des Denkmals abgearbeitet wurde und unser Anwalt ist diesbezüglich in regelmäßigem Kontakt mit Kreisbaumeister Pawlovsky. Laut Schörghuber-Sprecherin Asenstorfer gibt es derzeit keine neuen Pläne, somit seien weder ein Verkauf noch eine andere Nutzung geplant. Eine Vereinbarung mit der Gemeinde Gmund über einen neuen Vertrag zur Strandbad-Nutzung soll im September geführt werden. Vor einer Woche war in SZ und Merkur von einem Strategiewechsel bei Schörghuber die Rede Vorstandsvorsitzender Klaus Naeve meinte in einer Stellungnahme, der Umsatz sei erheblich zurückgegangen. Doch nur in einer Konzernsparte sei der Schwund so gravierend, dass es ihm Sorgenfalten auf die Stirn treibe: bei den HOTELS! Naeve sprach von heftigen konjunkturbedingten Verlusten – die Hotels seien im Schnitt nur zu 59% ausgelastet gewesen! - Ein Wink des Himmels?, dass der Oberste Bayerische Verfassungsgerichtshof die überdimensionierte und nicht ins Landschaftsbild passende Luxushotelplanung in Kaltenbrunn verhindert hat. Dem Himmel sei Dank! Abschließend möchte ich Sie alle noch einmal herzlich zu unserem Lichtbildvortrag am 07. Oktober 2010 mit Alfred Ringler einladen. Er und wir hoffen auf einen vollen Saal – Sie werden es nicht bereuen. Auch nicht unseren Besuch bei der Naturkäserei am 06. November 2010. Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Sommerausklang und bin mit herzlichen Grüßen Ihre Angela Brogsitter-Finck für den Vorstand der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal P.S. Mit großer Freude habe ich am 19.08.2010 im Kulturteil des Münchner Merkur gelesen, dass unser Freund und Unterstützer DIETER WIELAND, der wunderbare und wegweisende Dokumentarfilmer („Grün kaputt“, „Topographie“, „Bauen und Bewahren auf dem Lande“, etc.) den Oberbayerischen Kulturpreis 2011 erhalten wird. Man kann sich keinen würdigeren Preisträger vorstellen, der so viel für unsere bayerische Heimat geleistet hat! Herzlichen Glückwunsch!

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