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„Was das Tal braucht, ist nicht frisches Kapital, sondern ein frischer Geist!

„Die Erosion der Kulturlandschaft beginnt lautlos“, so beschwor Architekt Heiner Förderreuther, als Tegernseer mit Weitblick aus dem Starnberger Exil, die Situation. Beispiele dafür zeigte er zahlreich mit zunächst harmlos erscheinenden Fotos auf. Etwa vom Schilderwald auf Parkplätzen wie am Parapluie oder anstelle des Schmetterlingsgartens. Oder die Entnahme einer vierreihigen, charaktervollen Baumreihe an einer Wiesseer Straße. Eine Luftaufnahme über die Egerer Bucht hinweg zeigte die wuchtige Dominanz des Hotels Überfahrt. Da versteckte sich der Baukörper des Tegernseer Klosters dezent im Hintergrund. Wäre das Hotel zwei Stockwerke niedriger und hätte man in klassischer Weise den Innenhof einfühlsam betont, so könnte Förderreuther dem Projekt durchaus auch positive Seiten abgewinnen. Detailfotos von der tatsächlichen Innenhof-Gestaltung wertete er leidenschaftlich als „nach Art eines Eisenbahn-Unglücks arrangiert“. Dass der Gestaltwert einer Landschaft durch Übergänge in bewegte Landschaft gewinnt und durch Architektur gesteigert werden kann, machte er anhand von harmonisch gewachsenen Gestaltungsprinzipien früherer Zeiten deutlich. Auch durch Beispiele einfühlsamer Erhaltung. Allerdings auch mit Dokumenten für „eine Vertotung des Lebensraums“. Dennoch artete die Kritik nie in vermeintliche Blockaden aus. Aber: „Ein Tropfen Teer kann einen ganzen Eimer mit Honig verderben“ und deshalb sieht er in einem gewissen Verfall auch die Grundlagen für den Rückgang der Gästezahlen. Und das, „obwohl wir eine Landschaftsschutz-Verordnung seit den 50 er Jahren haben“ (an die Adresse des Landratsamts gerichtet). Außer ästethischen Gedanken gab es auch statistische Zahlen: „Wozu brauchen wir weitere Großhotels, wenn schon welche mit nur 30% Auslastung da sind?“ Hinzukommt: Bei Häusern mit über 9 Gästebetten beträgt die Aufenthaltsdauer rund 7 Tage – bei Häusern unter 9 Betten aber bleiben die Gäste mehr als doppelt so lange, im Schnitt 14,7 Tage! Das Resummee eines leidenschaftlichen aber sachlich informativen Vortrags, dem man mehr Zuhörer aus der verantwortlichen Lokalpolitik gewünscht hätte: „Was das Tal braucht, ist nicht frisches Kapital, sondern ein frischer Geist!“ Damit müssen wir bei uns anfangen, war Fördereuthers Wunsch. Statt einem Konsens zum Hässlichen sollte besser die römische Erkenntnis stehen: „Schönheit ist der Glanz der Wahrheit“. Gmund am Tegernsee 5-2-2011 Hans Jürgen Menge

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