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Stellungnahme uferparallelen Seeuferwegs

Stellungnahme der SCHUTZGEMEINSCHAFT TEGERNSEER TAL zur Planung und Bau eines weiteren uferparallelen Seeuferwegs und Stegs zwischen August-Macke-Anlage und Länd in Tegernsee:

Eine neuerliche Erschließung des Uferbereichs durch den Bau einer weiteren nunmehr durchgehenden Stegtrasse ab August-Macke-Anlage bis zum ebenfalls geplanten Landweg auf der Landzunge des ehemaligen "Gartenheims" (ca. 185 m Länge) bedeutet, dass das Tegernseer Seeufer auf einer Gesamtlänge von mindestens 400 m (Rathaus und Anlage Cafe am See eingerechnet) verstegt und verbrückt wird.

Die architektonisch wenig ästhetische Gestaltung beeinträchtigt ganz erheblich das historisch gewachsene Uferlandschaftsbild, geprägt schon durch König Max I. Joseph, der in Tegernsee eine Vorzeigeregion schuf, herausragend exponiert mit Kirche und Kloster. Als Max I. Joseph einen Platz für seine Sommerresidenz suchte, stand ihm ganz Bayern offen - aber er entschied sich für Tegernsee ("Klein-Venedig"). Sicher hat das Ufer-Ambiente in seiner Natürlichkeit eine Rolle gespielt. Der See, das Ufer, dazwischen Ufermauern, aber dazwischen kein "Stelzen-Tatzelwurm" ! Dass sich "sein Tegernsee" in unserer Zeit einmal - vom See her gesehen - als gehobene Pfahlbausiedlung präsentieren könnte, hätte er sich wohl nicht träumen lassen.

Einer seiner Nachfolger als Schlossherr von Tegernsee war Prinz Carl von Bayern (1795 - 1875) , Bruder König Ludwig I. Er war ein "Hüter des Tales", einer seiner ersten Umweltschützer. Zum Beispeil übernahm er die Patenschaft für schöne alte Bäume, um sie vor der Axt zu schützen. Und als 1869 Tegernsee eine Telegraphenstation erhielt, ließ er auf seine Kosten die Kabel unterseeisch verlegen, "damit das Landschaftsbild des Tales nicht durch Telegraphenmasten verunstaltet werde". Und nun droht der Stadt Tegernsee eine Stelzen-Promenade .

Die geplante Baumaßnahme entlang des Ufers gleicht einem "Uferkragen" und wird als absoluter Fremdkörper empfunden. Die einzelnen Pfähle und Querbalken bilden einen außerordentlich störenden Eingriff auf das natürlich gewachsene Uferbild. Problematisch ist auch die Nutzung der Ausfahrmöglichkeiten der betroffenen Uferanlieger.
Aus ökologischer Sicht stellt das Einrammen der massiven Pfähle in den See und damit die Erschütterung der Fundamente sowohl für die Anlieger (Beweissicherungsverfahren) , als auch für die zum Teil geologisch prekäre Hangsituation in Tegernsee ein Problem dar.
Die Schiffshütte von Dr. Wolfgang Reininger wurde vor kurzem unter Denkmalschutz gestellt. Durch den geplanten weiteren Steg würde der in Bayern mit Verfassungsrang ausgestattete Denkmalschutz ad absurdum geführt. Die ohnehin "bis zur Grenze des noch Vertretbaren belastete Seebenutzung in den Uferzonen des Tegernsees" (Stellungnahme des LRA Miebach, Fachbereich Wasserrecht) würde durch den neuerlich geplanten Steg weiter intensiviert und die Uferzone damit über das vertretbare Maß hinaus zusätzlich belastet werden.

Die SCHUTZGEMEINSCHAFT TEGERNSEER TAL ist entschieden der Meinung, daß neben allen hier aufgeführten Gründen vor allem die optische Beeinträchtigung des historisch gewachsenen Uferlandschaftsbildes durch diese weitere Stegtrasse unverantwortlich wäre , ganz abgesehen von der starken Außenwirkung als Präzedenzfall für andere bayerische Seen und Gemeinden.

Angela Brogsitter-Finck                                                                          3. März 2010
für den Vorstand



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