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Stellungnahme der Schutzgemeinschaft Tegernsee Tal zum geplanten Abriss und Neubau der ORTHOPÄDISCHEN KLINIK auf der Point

Sehr geehrte Damen und Herren,


nach dem Neubau des Hotels ÜBERFAHRT im einst malerischen Rottacher Malerwinkel waren sich fast alle Talbürger einig : ein solch massiver Baukörper in unmittelbarer Nähe des Sees darf nie wieder passieren . Weit gefehlt ! Die Neuplanung der Orthopädischen Klinik auf einem Hügel der Point , an einem der schönsten Plätze am See , stellt selbst das Hotel Überfahrt in den Schatten ! Hier soll ein Moloch entstehen , eine Monsterdimension - und dieser „Lindwurm“ versucht erst gar nicht , sich in das Tal-Landschaftsbild einzufügen. Ein absurder Maßstabbruch , d.h. mit dem Maßstab des Tals nicht mehr kompatibel , eine talfremde Baumasse , eine Mißachtung der bayerischen Kultur . Wollen wir diese neue Landschaft ? Ein seeseitiges Gebäude mit 6 sichtbaren Geschossen , 4 Gebäude insgesamt , „ die sich auf dem handtuchschmalen Grundstück an der Point zwischen Bundesstraße und Seeufer neben dem
denkmalgeschützten Palais Wedelstaedt schlängeln“ (Teg.Ztg. 5.12.13).

Die Landschaft als Wert zu erkennen , fällt manchen Mandatsträgern offenbar schwer , vor allem die Frage : Wieviel kann man in die Landschaft hineinbauen , ohne sie in ihrer Substanz zu zerstören ?

Die Orthopädische Klinik genießt seit 55 Jahren das Privileg , ihre Patienten an einem der schönsten Flecken Bayerns zu kurieren. Die Bettenkapazität soll nun von 166 auf 186 Betten erhöht werden. Es ist klar , wo Geld vorhanden ist , da wird gebaut . Im Tegernseer Tal tag-täglich zu beobachten. Die Klinik - nach Meinung eines renommierten Bauexperten - steht da wie ein fabrikneues Auto . Die Gebäude scheinen in sehr gutem Zustand , wurden vor nicht allzu langer Zeit gründlich renoviert . Es ist kaum vorstellbar , dass die Rentenversicherung ihr Privileg einem anderen überlassen würde . Sie werden wissen , andere Interessenten würden Schlange stehen . Mit einer gewissen Arroganz geäußerte Drohungen greifen nicht , sind nicht hilfreich . Wenn die Klinik tatsächlich so massiv erweitern möchte , wird es im Landkreis einen anderen geeigneten Standort geben . Selbstverständlich ist es wünschenswert , dass Patienten ins Grüne schauen , um die Heilung zu unterstützen , Seeblick dürfte aber dafür nicht von Nöten sein ! Auch eine Rentenversicherung hat eine Verantwortung gegenüber einer Landschaft und ihrer Bewohner ! In ein paar Jahren steht die nächste Erweiterung an , was dann ? Das denkmalgeschützte Stieler-Haus , das Ganghofer-Haus werden zur „Hundehütte“ ,
das Wahrzeichen Tegernsees - das ortsprägende Schloß - zur Nebensache degradiert !

Gewinn für Wenige , Schaden für viele ! Das Recht auf Naturgenuß wird vermarktet , aber der Naturgenuß schwindet . Den 2000 Patienten im Jahr , die den Seeblick nicht mehr genießen könnten , stehen 10 000e Gäste u.a. in Rottach-Egern oder Bad Wiesee gegenüber , die den Anblick dieses Molochs erleiden müssten . Und diese Gäste bringen auch Geld mit.
Auch ist zu befürchten , dass - ähnlich wie beim Lanserhof in Marienstein - die Baumasse in

der Realität und nach Fertigstellung noch deutlich massiver wird als die zu Beginn vorgestellte Planung . Schon jetzt wurden die Gebäude durch die Hubschrauberperspektive und die begrünten Dächer , wie auch die Animation der Baumasse durch geschickten Lichteinfall verniedlicht und beschönigt.
Von der Egerner Bucht aus würde die Öffnung zur Weitsee wie eine Schleuseneinfahrt wirken , links der Block „Überfahrt“ und rechts der 6-stöckige Block der neugebauten Klinik.  „Vom Wallberg aus wie ein optischer Riegel nach Tegernsee , der die Point zum Vorgarten und das Schloss zur Kulisse degradiert . Ein Spaziergang am Malerwinkel und eine Gondelfahrt öffnen schnell die Augen , trotz „eleganter Schwingung“ des geplanten Gebäudes , trotz Erdwall für 2 Etagen und trotz Restbaumbeständen . Es wäre eine Landschaftsbelastung ohne Gleichen und für Jahrzehnte !“ (Dr. Lutz Thomas) Die Nachfolgelasten beträfen alle Talbewohner
und ihr Wohl sollte der Stadt Tegernsee wichtiger sein als das des Investors. Es ist ganz einfach : Wir dürfen nicht alles , was wir können !

Vom Egerner Malerwinkel und von der gesamten Seestraße aus gesehen , erscheint der massive vierfache Gebäudekomplex mit seiner Höhenentwicklung auf dem Hang und seine unmittelbare Nähe zum See so dominant , beschädigt das Gesamtbild so extrem , dass auch eine Geländeaufschüttung daran nichts ändern wird. Dieser Bauriegel wird im ganzen Tal zu sehen sein ! Die seeseitigen Grünflächen , die das Orts- und Landschaftsbild maßgeblich prägen , in die die Flächennutzungsplanänderung vordringt , stellen heute noch einen landschaftlich bedeutsamen Grüngürtel dar und werden als wichtiger Landschaftsbestandteil wahrgenommen. Der Neubau missachtet die Belange des Landschaftsschutzes in eklatanter Weise und widerspricht dem Regionalplan Oberland : „Nach Möglichkeit soll eine Verbindung zur freien Landschaft durch Grünzüge hergestellt werden !“

Auf das von der Versicherung angekündigte Einlenken darf man gespannt sein. Gleichzeitig äußert Bürgermeister Peter Janssen die Tatsache : „In Luft auflösen kann man die Gebäude auch nicht !"


Das Gesamtbild der POINT darf nicht zerstört werden . Sollte dies doch geschehen , so wird der massive Protest von vielen Seiten mit Sicherheit weitergehen . Das Tegernseer Tal , der See , sind ein in sich geschlossener ganzheitlicher Landschaftsraum . Was in Tegernsee passiert, berührt auch Gmund , Bad Wiessee, Rottach-Egern, Kreuth ! Um die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung in einen naturverträglichen Rahmen zu lenken , wäre ein gemeinsames Ziel wünschenswert . Vielleicht entsteht in nicht allzu ferner Zukunft ein gemeindeübergreifender Planungsverband , um die Schönheit der Landschaft so weit wie möglich zu bewahren !

Mit freundlichen Grüßen,

Angela Brogsitter-Finck

für den Vorstand



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