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Stellungnahme der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal zum Bebauungsplan Nr. 58 Sanatorium und Klinik Perronstra▀e 7 - 9

Stellungnahme der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal zum Bebauungsplan Nr. 58 Sanatorium und Klinik Perronstraße 7 - 9  


Von a-ja und DRV nichts gelernt – schlimmer geht’s immer! 

Erneut wird ein monströser Bau auf dem Grundstück Perronstraße 7-9 in Tegernsee Süd beantragt. Statt des gescheiterten Entwurfs von a-ja, der einen 120 Meter langen Baukörper vorsah, werden nun vom neuen Investor drei gekrümmte, optisch ineinander verkeilte Baukörper präsentiert, die es an Ihren Außenkanten auf eine Gesamtlänge von 152 Metern bringen.  

Auch bei der Höhenentwicklung tritt eine Verschlechterung im Vergleich zur a-ja Planung ein und die Baumasse gesteigert: das oberste Vollgeschoss wird entgegen der Gestaltungssatzung und auch entgegen des ursprünglich präsentierten  Architektenmodells als spitz zulaufendendes Dachgeschoss mit vielen Gauben und Quergiebeln gestaltet. Das hat den Vorteil, dass das oberste Geschoss nicht mitgezählt werden muss. Es kann von einer drei- bis viergeschossigen Bebauung gesprochen werden, obwohl es de facto vier- bis fünfgeschossige Baukörper bleiben. A-ja hatte zuletzt wenigstens eine viergeschossige Bebauung vorgeschlagen.  

Auf dem Grundstück besteht bereits Baurecht, mit dem der vorherige, bereits abgerissene Alt-Bestand versechsfacht werden dürfte. Schon die damalige Erlaubnis dazu hatte zu Streit geführt. Es ist aus Sicht der SGT unverständlich, wieso nun erneut versucht wird die Baumasse auf das neun- bis zehnfache des ehemaligen Bestands zu steigern.  

Das Grundstück ist an exponierter Position und die parkartige Grünanlage ist ortsbildprägend. Sie bildet eine Einheit mit der Anlage an der Schwaighofbucht. Durch die in unmittelbarer Nähe befindliche LidlBebauung wurde schon ein wesentlicher Bestandteil dieses prägenden Charakters von Tegernsee-Süd zerstört und versiegelt.  Im rechtskräftigen Bebauungsplan ist die konzentrierte Baumasse im oberen Teil des Grundstücks vorgegeben. So könnte ein Großteil des
parkähnlichen Grundstücks erhalten werden. Die aktuelle Planung schneidet nun das letzte Parkgrundstück mit einem Querriegel im unteren Drittel ab. Nicht bebaut wird lediglich, was nicht bebaut werden darf, weil es Überschwemmungsgebiet ist.  Vom Park und seinem prägenden alten Baumbestand bleibt sowieso nur wenig übrig. Bisher waren etwa 6% der Fläche überbaut. Der geltende Bebauungsplan lässt bereits eine Versiegelung von 30% der Fläche zu. Der nun vorliegende Bauantrag verlangt einen Anstieg der Versiegelung auf 70% der Fläche.  

Die Dachgauben lassen vermuten, dass hier sicher nicht Personalwohnungen untergebracht werden sollen, sondern Luxusappartements für ausgewählte Kunden. Eine Klinik sieht im Allgemeinen eine zusammenhängende Baumasse vor. Mit den 3 geknickten Baukörpern versucht man, die tatsächliche Baumasse kleiner aussehen zu lassen. Die Planung eröffnet Tür und Tor, dass es noch größer wird und die Dichte weiter erhöht wird. 

Aufgrund der klinik-untypischen Architektur (in Marktoberdorf musste genau aus diesem Grund eine Klinik abgerissen werden) muss davon ausgegangen werden, dass hier planerische Voraussetzungen geschaffen werden, um längerfristig Zweitwohnungen zu schaffen. 

Das Tegernseer Tal erhofft sich mit dem Bau der Klinik wirtschaftliche Stärkung. Mit der vorgesehenen Baumasse kann das nicht erreicht werden, weil die funktionalen Abläufe einer Klinik eine bauliche Trennung nicht vertragen.  Die Abgrabungen sind vorgesehen, um unten noch mehr rauszuholen.  

Die Baumasse ist im Tal nicht mehr verträglich und die gekrümmten Baukörper haben hier keine Tradition. Damit werden die letzten, der einst ortsbildprägenden Parklandschaften einer längst nicht mehr zeitgemäßen Verstädterung geopfert. 

Entgegen der Gestaltungssatzung wird eine steilere Dachneigung sowie eine Großzahl von Quergiebeln und Gauben zugelassen. Optisch entsteht eine massive, verschachtelte und abgestufte Bebauung. Sie ähnelt im Charakter eher einer großen Reihenhaussiedlung mit Anleihen am städtischen Sozialbau, als einer neuen Klinik. In der historischen Baukultur
kommen im Tegernseer Tal Dachneigungen von 30 oder 45 Grad nicht vor. Im Tegernseer Tal sind Dachneigungen von 18 und 23 Grad üblich. Nur kirchliche Gebäude oder Gebäude mit Sonderfunktionen (Klosterrichterhaus in Tegernsee) haben stärkere Dachneigungen. 

Die umliegenden Denkmäler mit ortsprägendem Charakter, wie die ehemalige Villa Rosa oder die Sternwarte und auch die darüber liegende Villa Perron gehen hinter dieser geplanten Bebauung vollkommen unter. Tegernsee entwerte hierdurch ein weiteres Mal sein historisch gewachsenes Erscheinungsbild. 

Wegen der exponierten Lage wird die gesamte Egerner Bucht in Mitleidenschaft gezogen. Der Protest der Rottacher verwundert daher nicht. Die SGT fordert somit eine Umplanung im Einklang mit der Gestaltungssatzung und des bestehenden Bebauungsplanes sowie eine architektonisch hochwertige Planung, welche die Parkanlage weiterhin für die Öffentlichkeit zur Geltung kommen lässt.  

Mit freundlichem Gruß 
Angela Brogsitter
Kathrin Weber
Andrea Schack
Johannes v. Miller
James Lürmann
Sigi Thalmeier
  
26. Mai 2017



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