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Westerhof

Westerhof

Ganz aktuell ist unsere Stellungnahme zum geplanten Abriss und Neubau des Hotel Westerhof.
Diese haben wir fristgerecht zum 30.September bei der Stadt Tegernsee eingereicht.
Wir sehen das Vorhaben äußerst kritisch und gehen auf verschiedene problematische Aspekte näher ein.
Lediglich die Verkehrsproblematik an der sehr schmalen Zufahrt Olaf-Gulbranson-Straße
(an einer Stelle haben wir nur 3,90m Strassenbreite gemessen!) haben wir ausgespart,
da sie nicht das Anliegen der SGT ist, und von den betroffenen Anwohnern ausreichend behandelt wird.
Lesen Sie im Folgenden die Stellungnahme im Wortlaut.
Sie gilt in vielen Punkten auch für ähnliche Großprojekte im gesamten Tegernseer Tal.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Hagn, sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrats,

die SGT lehnt auch den geänderten Bebauungsplan vehement ab und erneuert ihre Kritik vom 20.12.2013
und 30.5.2018 .

Wir werten das Bauvorhaben als nicht wieder gut zu machenden Eingriff in das Ökosystem am Waldrand
des Großtegernseer Berges.

Geschichte:

Der Westerhof war ein 1/4 Kloster - Lehen mit 137 Tagwerk und wurde bis nach dem 2. Weltkrieg als
Gutshof mit Viehhaltung betrieben.
1953 verwandelte Dr. Theodor Sehmer den Bauernhof in ein Kurheim, das seine Tochter Dr. med. Maria
Gabrielle Sehmer bis 2003 leitete. Ab 2005 wurde es zum Hotel Garni. 2008 übernahm Dr. Andreas
Greither das weitläufige Areal in exponierter Hanglage hoch über dem Tegernsee. Nach und nach wurde in
zahlreichen Um- und Anbauten das heutige Hotel geschaffen. Mit den heutigen Plänen für Abriss und
Neubau wird von dem einst geschichtsträchtigen Ort nichts übrigbleiben.
„Das Haupthaus wurde aus Tuffstein gebaut und die Giebelbalken aus dieser Zeit wurden noch mit der Axt
behauen.“, so wirbt der Westerhof auf seiner Internetseite. Es abzureißen ohne einen Versuch, es in ein
neues Gebäudeensemble zu integrieren und zumindest den Hofcharakter zu erhalten, zeugt von
Respektlosigkeit gegenüber der alten Tradition des Klosterhofs, zumal man stolz auf seine Geschichte zu
sein scheint:
„Und wieder gelingt es, historisch Gewachsenes mit zeitgemäßer Ausstattung zu verbinden.“, wirbt das
Hotel über sein Konzept und schwärmt: „die Hotelgäste schätzen den Charme und die besondere
Atmosphäre des außergewöhnlichen romantischen Urlaubsrefugiums - und natürlich die einzigartige Lage,
die schon Mönche und Hochadel bezauberte.“
Was aber bleibt von diesem Zauber, wenn die Pläne wie eingereicht realisiert werden?

Vorhaben

Vorgesehen ist der komplette Abriss aller bestehenden Gebäude.
Neubau eines Hotelkomplexes mit insgesamt 9 neuen Bauten.
134 Zimmer mit 270 Betten und einer überbauten Grundfläche von 15000 qm. Daraus ergibt sich eine
Verdoppelung der versiegelten Fläche und eine Verdreifachung der Bettenzahl! Von der Seeseite sichtbar
werden 9,5 Geschosse mit einer Gesamthöhe von 38,5 m, womit sogar die Schlossfassade übertroffnen wird!
Der Umweltbericht nach Paragraph 2 Abs.4 BauGB erachtet „den geplanten Hotelkomplex angesichts der
besonders exponierten Lage des Westerhofs für zu massiv und in das umgebende Landschaftsbild kaum
integrierbar.“ Zumal noch zusätzliche Flächen aus dem „Landschaftsschutzgebiet Tegernsee und
Umgebung“ herausgenommen werden.
Fazit: „Die kulturelle Einheit mit ihrer Verbindung Kloster, Kirche und bäuerliches Fundament wird
unentschuldbar gestört.“
Über 50 private Einwände zeugen von großen Vorbehalten in der Bevölkerung.

Tourismus

Für uns stellt sich somit eine grundsätzliche Frage: Wohin will der Tourismus im Tegernseer Tal?
Wollen wir zu einem beliebigen Ferienort verkommen mit austauschbaren Bettenburgen und gigantischen
Leuchtturmprojekten oder besinnen wir uns auf Tradition, Heimat, ortsprägende Architektur und unsere
alpenländische Kultur?
Der Gast im Tegernseer Tal sucht traditionelle Werte und Nachhaltigkeit, intakte Natur, echtes Brauchtum
und Authentizität. Das macht unsere Destination stark! Aber sicher keinen hier zur Schau gestellten
Gigantismus, wie wir ihn aus früheren Jahrzehnten kennen und bereuen. Less is more!
„Je größer der Landschaftsverbrauch, desto stärker der Rückgang der Übernachtungszahlen“, konstatierte
einst der Architekt Heiner Förderreuther.
2015 bekam der Landkreis Miesbach das Prädikat „Öko-Modell-Region“ verliehen. In den Tegernseer
Leitsätzenwird eine „zeitgemäße Neunutzung für ausgediente Gebäude“ gefordert. Aber wie schon beim
Feuerwehrhaus wird sich augenblicklich darüber hinweggesetzt, sobald es konkret wird. „Verbale
Aufgeschlossenheit bei gleichzeitiger Verhaltensstarre“ nennt man das heute. Kein Denkmalschutz, also
weg damit!
„Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Stadt zwar alle Nachteile stets bewusst sind, sie diese aber
billigend in Kauf nimmt“, heißt es in einer der zahlreichen Einwände. Die Stadt beruft sich auf ihre
Planungshoheit und wägt einseitig zu Gunsten des Betreibers ab. Für die Tegernseer Bürger ist kein
zusätzlicher Nutzen erkennbar. Sämtliche Einrichtungen, wie 2 Restaurants, Pianobar, Geschäfte, Spa-
und Wellnessbereich und der Veranstaltungsbereich sind nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
So profitiert nur der Bauherr, nicht der Bürger!

 

Wirtschaftlichkeit

Wir mischen uns nicht ein in Rentabilitätsüberlegungen des Investors. Er plant so wie er das Projekt fu
̈r möglichst rentabel hält.
Anders verhält es sich bei der Stadt Tegernsee. Sie muss abwägen zwischen verschiedenen Interessen und
darf sich nicht einseitig auf eine Seite stellen.
Wenn sie behauptet „Wirtschaftlichkeit setzt eine gewisse Größe voraus“, zweifeln wir nicht nur den Inhalt
der Aussage an, sondern auch die Neutralität des Entscheider-Gremiums. Im Umkehrschluss hieße das
nämlich, dass kleine Hotels allesamt nicht wirtschaftlich betrieben werden können. Das Postulat der
kritischen Bettenzahl ist ein unbrauchbares Scheinargument:
57 Prozent der Beherbergungsbetriebe in Deutschland haben weniger als 15 Zimmer! Sind all diese
Betriebe unrentabel?
Eine Studie im Berchtesgardener Land kommt zu dem Ergebnis, dass für ein Resort Hotel mit 4-5 Sternen
110-120 Betten für einen wirtschaftlichen Betrieb ausreichen.
Das wäre dann wohl auch für den Westerhof ein ausreichendes Maß!

Georisiken

Die Georisiken versucht die Stadt durch Gutachten zu zerstreuen.
Danach handle es sich um ein „Bauvorhaben mit mittlerer geotechnischer Schwierigkeit.“
Fakt aber bleibt, dass bei einer mehr als Verdoppelung der überbauten Fläche (15000 qm statt bisher 7000)
sich die Hangstabilität verschlechtert und die Entwässerungsrisiken zunehmen. Durch die gestiegene
Baumasse erhöht sich unweigerlich auch der Druck auf den steilen Hang.
15000 qm versiegelter Boden lassen ausreichend Versickerungsflächen verschwinden. Auch geplante
Drainagen müssen das Wasser irgendwo hinleiten, die versiegelten Flächenstehen für eine natürliche
Entwässerung nicht mehr zur Verfügung.

Verkehr

Auch die Verkehrsproblematik bleibt ungeklärt, den Sorgen der Nachbarn schließen wir uns an.

Schlusswort

Aus all den hier angeführten Gründen bittet die SGT den Tegernseer Stadtrat die Entscheidung im
Interesse aller Bürger und unserer Gäste noch einmal zu überdenken!
Schon frühzeitig erkannte der sehr erfolgreiche und weitsichtige Hotelier Balthasar Hauser vom 5-Sterne
Biohotel „Stanglwirt“ in Tirol: „Das Optimum ist früher erreicht als das Maximum!“
Diese Einsicht möchte man auch dem Westerhof Bauherrn zurufen.

Und immer wieder stimmt der Satz von Michael Heim:

“Wir bauen uns die Landschaft zu für die Leute, die dann nicht mehr kommen,
weil die Landschaft so zugebaut ist“.

Und Sie tragen hierfür die Verantwortung.

Mit freundlichen Grüßen

Angela Brogsitter-Finck,
Johannes von Miller,
Kathrin Weber,
Andrea Schack,
Marcus Staudacher,
Dieter Jung



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