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Vorher – Nachher: Der Schmetterlingsgarten
Wie ein königlicher Park zum Parkplatz wurde
In den letzten Wochen häuften sich die Nachfragen bei der Schutzgemeinschaft
Tegernseer Tal nach den Vorgängen im Tegernseer Schmetterlingsgarten, auf dem immer mehr Autoparkplätze angelegt werden. Schleichend – in den letzten Monaten allerdings beschleunigt, und dies alles ohne Beteiligung der Öffentlichkeit - ist fast die Hälfte dieser einstmals königlichen Gartenanlage zwischen Schloss und See in eine triste Asphaltfläche umgewandelt worden. Dass hier ein einmaliges Gartenkunstwerk des königlichen Gartenarchitekten Friedrich Ludwig von Sckell geopfert wird, ist Anlass genug, mit einem Rückblick Stellung zu nehmen.
Als König Max I. Joseph im Jahre 1817 die ehemaligen Klostergebäude in
Tegernsee erwarb, um sie zu einer königlichen Sommerresidenz umzugestalten,
erteilte er dem Gartenarchitekten von Sckell, berühmt durch weithin bekannte Werke wie den Englischen Garten in München und die Erweiterung des Nymphenburger Parks, den Auftrag zur Gestaltung der Gärten.
Sckells Aufgabe war es, das 4,2 ha große Areal um das Schloss zu einem
Privatgarten des Königs im Landschaftsstil zu gestalten. Der Garten umfasste
damals das gesamte Gelände südlich und westlich der heutigen Seestraße bis hin zum Seeufer. Auch das nördlich der Seestraße und westlich des Salvatorwegs gelegene königliche Remisengeviert, sowie den Uferstreifen bis zur Point wurden in die Planung einbezogen.
Neben den privaten Belangen des Königs wurden bei der Gestaltung des Gartens auch allgemeine öffentliche Interessen berücksichtigt wie ein freier Zugang zu Kirche, Brauerei und Bräustüberl. Der Fahrweg an der Schloss- und Uferpromenade sollte eine ausreichende Breite aufweisen. Im Stil des englischen Landschaftsgartens wechselten sich auf den Rasenflächen Baumgruppen und Gehölze mit Solitärpflanzen ab, dazwischen entstand ein Geflecht geschwungener Wege.
Westlich der Schlossfassade, also im späteren Schmetterlingsgarten, stand Sckell mit zwei Hektar Fläche genügend Raum zur Verfügung, um einen kleinen
Landschaftsgarten anzulegen. Aus unterschiedlich großen Baumgruppen lässt er fast ein Wäldchen entstehen, das sich nach Süden zu einer großzügigen Wiese öffnet, dem Kernstück des Gartens. Öffentliche und private Bereiche wurden geschickt gegeneinander abgegrenzt, ohne die Harmonie und Einheit des Gesamtbildes zu beeinträchtigen.
König Max I. Joseph beauftragte Sckell nicht nur mit der Anlage des Schlossgartens, auch in der Umgebung sollten Veränderungen in Form von Spazierwegen und Anpflanzungen vorgenommen werden. Nach dem Tod von Sckell 1823 und des Königs Max I. Joseph 1825 beauftragte Prinz Carl Anfang der 1870er Jahre Carl von Effner mit einer Überplanung des Schlossgartens, der aber die Sckellsche Anlage im wesentlichen beibehielt.
Der Name Schmetterlingsgarten geht zurück auf ein Blumenbeet, das in Form eines Schmetterlings gestaltet war und zur Zeit Herzog Carl Theodors kurz nach 1900 entstanden ist. In den 60er Jahren wurde der verbliebene Garten öffentlich
zugänglich gemacht und die Uferpromenade verbreitert. Der königliche Laubengang, der sich unmittelbar an der Schloss-Südseite befand und einstmals Schutz vor der Witterung bot und an den sich viele noch erinnern können, ist verschwunden.
Am Schmetterlingsgarten können heute – angesichts der Autoparkflächen – nur noch Kundige etwas von der Existenz des Sckell-Gartens erahnen. Aus
denkmalpflegerischen und touristisch-wirtschaftlichen Gründen wäre es
wünschenswert gewesen, eine Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Anlagen
anzustreben, damit Garten, Schloss und Spazierwege ein reizvolles Ensemble
darstellen. Die Einheimischen und Besucher hätte es sicher erfreut. Ex-Minister
Thomas Goppel meinte im vergangenen September: „Historische Orte sind Magnete für Touristen“. Dafür allerdings scheint es jetzt zu spät.



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 Zitate:
"Ein Arbeitsplatz bei Lidl vernichtet fünf Arbeitsplätze im Einzelhandel"
C. M. Klotz, Organisation Selbstständiger in Bayern

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