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Klaus Enterlein, Tegernseer Strasse 50 83708 Kreuth, Tel 08022/5918

An die Tegernseer Tal Tourismus GmbH

Kreuth, September 2008


Sehr geehrter Herr Overs,
in der letzten von mir so geschätzten Seeseiten-Ausgabe musste ich leider lesen, dass Sie über Kaltenbrunn „sehr enttäuscht“ sind. Lassen Sie mich erwidern: ich freue mich, dass – nachdem die exekutive Gewalt in unserem Staate offensichtlich Verschleißerscheinungen zeigt – die judikative Gewalt noch funktioniert.

Fassen Sie dies bitte nicht als Affront auf, sondern als Äußerung eines nun 85-jährigen, der im Sinne der SGT seinen Anteil daran hat, dass das Tegernseer Tal von allerschwersten Misshandlungen verschont bleib. Sie sind erst relativ wenige Jahre im Tal, so dass ihnen die Gesichtspunkte, die zur Gründung der Schutzgemeinschaft führten, nicht bekannt sein können.

Der durch Satzung festgelegte Zweck der Gemeinschaft besteht u.a. in der Erhaltung des Orts- und Landschaftsbildes des Tales. Die SGT wurde von den damaligen Bürgermeistern von Kreuth bis Gmund einhellig begrüßt, da auch ihnen die Entwicklung des Tales größte Sorgen bereitete. Ihnen ging es noch um den Erhalt des Tales, den meisten der jetzigen Nachfolger offensichtlich mehr um den Verbrauch des Erhaltenen. Darauf, dass dies falsch ist, werde ich zurückkommen.

Ohne SGT
- stünde auf den Hängen über St. Quirin seit über 35 Jahren ein Gymnasium im großstädtischen - damals üblichen – Würfel-Schulstil.
- Über der landschaftlich einmaligen Geländeterrasse zwischen Holz und Bad Wiessee wäre auf mächtigen Masten eine Hochspannungsleitung installiert worden, deren gewaltige Kapazität erkennen ließ, dass dies nur der erste Teil eines späteren Verbundes mit dem Tiroler Stromnetz sein würde. Damit wäre auch der Rest des Tales durch vermeintlich unentbehrliche Technik verschandelt worden. Dass es auch andere Lösungen gab, beweist die Richtigkeit des Widerstandes der SGT.
- Anfang der 70-er Jahre sollte durch das Tal eine Schnellstraße gebaut werden, die die Entfernungen zwischen Holzkirchen und Jenbach um ca. 40 km verkürzt und dem Tal eine Verkehrsverdichtung gebracht hätte, die keinem der Talorte die Chance gelassen hätte, je ein heilklimatischer „Kurort“ zu werden.
- Stünde südöstlich des „Grünen Wasserl“ eine riesige Mehrzweckhalle mit großflächigen Parkplätzen. Die SGT erreicht durch ein höfliches Schreiben an Herrn Beisheim, der das Objekt finanzieren wollte, dessen Einsicht und Verzicht. Bürgermeister Hafner verbreitet daraufhin die Unwahrheit, die SGT habe durch freche Briefe an Herrn Beisheim dessen Gunst verwirkt. (Ich bin gerne bereit, Ihnen den Text zu übermitteln.) Dieser Standort wäre nicht nur landschaftlich, sondern mehr noch verkehrlich der falschestmögliche im Tal gewesen. Auch die wirtschaftlichen Belastungen wären über die Leistungsfähigkeit des Tales hinausgegangen, wie Vergleiche mit anderen Hallen zeigen.
- Wäre das sog. Spiessgrundstück am Ringsee mit Chalets im Schweizer Stil vollgebaut worden. Hier gab der Bauherr nach, bevor das von der SGT gestützte Bürgerbegehren zum Abschluss gebracht wurde.
- Nicht zu verhindern war bedauerlicherweise die Zerstörung des weltbekannten Egerner Malerwinkels durch das Hotel „Zur Überfahrt“. Was hier verloren ging, kann vermutlich nur beurteilen, wer seinen ursprünglichen zauberhaften Charme der Einfachheit kannte. Das Ufer steigerte sich, bis der Blick die Kirche erreichte.
S l e z a k wusste schon, wo er sich niederließ. Heute richten die Photographen ihre Sucher so aus, dass das Hotel gerade nicht mehr aufs Bild kommt, was man sogar in Rottacher Werbeprospekten beobachten kann.
Im Malerwinkel prallten die Möglichkeiten der „Geldigen“ mit Beziehungen zur richtigen Partei mit den eigentlichen Interessen des Tales exemplarisch aufeinander. Man sollte sich keiner Täuschung darüber hingeben, dass dieser als „Filz“ definierte Zustand der Stoff für linke Wahlpropaganda sein könnte – mit allen Aspekten des Neidkomplexes. Ich wüsste kein Argument, das dies rechtfertigen könnte.

Ihre Enttäuschung über Kaltenbrunn überrascht mich deshalb, weil wieder ein Stück der Schönheit des Tales verloren gegangen wäre, obwohl diese d a s Kapital des Tales ist, von dessen Zinsen sein Fremdenverkehr und seine Wirtschaft leben. Die Schönheit zu erhalten muss deshalb das Ziel Aller sein, denen das wirtschaftliche Wohl der am Fremdenverkehr Beteiligten am Herzen liegt. In diesem Sinne muss auch an das Wohl der kleineren Hotels und Fremdenheime, sowie der Privatvermieter gedacht werden, die die eigentliche Basis des Fremdenverkehrs sind. Wenn heute aus Altersgründen Privatbetten „wegbrechen“, werden diese niemals durch die Gäste der Monsterhotels ersetzt werden können. Diese Gäste werden niemals zu Dauergästen werden, die den Gastgebern persönlich verbunden und die denkbar lebendigste Werbung für das Tal sind.

Lassen Sie uns zu dem Hauptproblem „Kaltenbrunn“ zurückkehren: das Debakel hat seine wesentlichste Ursache im so ambivalenten Verständnis von Wahrheit und Recht seitens des Gmunder Bürgermeisters. Ich will Ihnen dies durch einige Beispiele belegen:
- wenn Herr v. Preysing behauptet, die SGT habe das Hotel unter dem Mantel des Denkmalschutzes v e r h i n d e r n wollen, ist dies die reine U n w a h r h e i t . Er behauptet dies gegen besseres Wissen: die SGT hatte auf eigenen Rechung das Architektenehepaar Weber, Gmund, mit einem Vorschlag f ü r das Hotel beauftragt, der das Hotel unter denkmalschützerischen Gesichtspunkten möglich machte. Herr v. Preysing hielt den Entwurf vor Zeugen (!) für „schlüssig“! Der Bauherr lehnte ihn ab – und der Bürgermeister schwenkte um. Statt dem Bauherrn gegenüber auf der Verbindlichkeit der geltenden Gesetze zu bestehen, stellte er sich unkritisch in den Dienst des Bauherrn. Das Urteil bestätigt dies in nicht anzweifelbarer Klarheit.
- Um die Stimmung in der Bevölkerung einschlägig zu beeinflussen, prophezeite er ihr, wenn der Bauherr die Lust am Bauen verliere, habe Gmund ein zweites „Maximilian“. Damit deutete er an, Herr Schörghuber werde das Anwesen verfallen lassen. Er verschweigt dabei, dass dies nur geschehen könnte, wenn er – Herr v. Preysing – nicht seines Amtes als Bürgermeister waltete: der Eigentümer eines denkmalgeschützten Bauwerkes ist schließlich per Gesetzt verpflichtet, dieses zu e r h alt e n. Im Falle Maximilian ist kein potenter Ansprechpartner vorhanden, im Falle Kaltenbrunn sehr wohl.
- Sein ambivalenter Umgang mit dem Recht erhellt sich auch durch den Schwarzbau, den er als Bürgermeister und als Vorbild seiner Bürger an den Westhängen der Neureuth ausführte und kraft Landratsamt wieder beseitigen musste.
- Rätselhaft ist seine Lobpreisung des Herrn Schörghuber für dessen “Wohltaten“ in unserem Tal. Herr Schörghuber erwarb die Seilbahn- und Liftanlagen am Wallberg und legte – als Ungernehmer verständlich – alle Teile still, die keinen Gewinn abwarfen. Das waren der Kircherlhanglift und der Lift am Setzberg, sowie die Pistenpflege der Wallbergabfahrt. Damit hatten die Skiläufer weniger als vor der Übernahme durch Herrn Schörghuber. Wie gesagt: die wirtschaftlichen Gründe sind einzusehen, Wohltaten aber sind nicht zu erkennen. Was aber bewegt den Bürgermeister zu Lobpreisungen, die ihn nur unglaubwürdig machen?

Sehr geehrter Herr Overs, bitte haben Sie Verständnis für meine Besorgnis, dass die SGT auf Dauer an den ungebremsten Unwahrheiten von Bürgermeistern, die zur Zeit ihrer Gründung noch Schulbuben waren, Schaden nehmen könnte. Die SGT verdient Vertauen, und ich möchte Ihr Augenmerk besonders darauf lenken, dass – wie auch im Falle Kaltenbrunn – die Arbeit der SGT stets auf konstruktiver Kritik aufbaut. Ich hoffe sehr, mit dieser klaren Ansprache einer Reihe von Fehlursachen und Fehleinschätzungen klarzustellen, dass die SGT allein dem satzungsgemäßen Ziele der Erhaltung eines Tales folgt, in dem die Voraussetzungen gegeben sind, dass auch Ihre Bemühungen auf Dauer auf fruchtbaren Boden fallen. Es geht schließlich nicht um die Erhaltung eines Museums, sondern um die Lebensgrundlage aller Berufszweige unseres Tales.

Mit den besten Wünschen für den Erfolg Ihrer weiteren Arbeit bin ich
Ihr Klaus Enterlein



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