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Wachstum ist sinnvoll - solange es nicht um jeden Preis betrieben wird!


Anmerkungen zu einem bemerkenswerten Vortrag von Heiner Förderreuther für die Schutzgemeinschaft
Tegernseer Tal am 22. Februar 2013


Wer sich vom hinterlistigen Titel “Tegernseer Tal und das Brutto-Sozialprodukt” nicht hat abschrecken lassen und Förderreuthers geradezu provozierend lebendige Vortragsart kennt, wurde reichlich belohnt.
Es war alles andere als ein wirtschafts-wissenschaftliches Kolleg. Er begann zwar mit Beispielen für die Unendlichkeit des Kosmos - aber nur, um deutlich zu machen dass der Lebensraum unseres Tals eben doch sehr begrenzt verfügbar ist. Und dass wir ebenso liebevoll wie verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umgehen müssen. Mit anderen Worten: Wenn Kommunal-Politiker, Touristiker oder “Heimat-Verkäufer” bei der Passagier-Liste der Arche Noah hätten mitentscheiden dürfen, wäre der Kahn wohl wegen Überfüllung untergegangen.


Er hat es eingangs als lebendiges Märchen vorgespielt, wie die Investoren in blauen Anzügen anreisen und von einem Trachtenanzug in Gestalt eines “Heimat-Verkäufers” aufmerksam hofiert und betreut werden. Alles mit dem Ziel, die Schönheit unserer Landschaft zur eigenen Wertschöpfung zu machen. Förderreuther entwickelte skurrile Szenarien, auch wenn einem das Lachen zuweilen im Halse stecken blieb: Wenn der Trachtenanzug die Wege ebnet beim Kauf von teurer Heimat gegen teures Geld ..... bei der Gründung von Tochterfirmen die ortsansässige Verbundenheit mit Namens-Zusätzen wie “Tegernsee” oder “Bayern” unterstreicht ..... aufzeigt, wie man Zutritt zu großzügigen Abwasser-Regelungen erreicht ..... oder sich mit ersten Bauplänen in kleineren Umfängen die Genehmigung durch die Kommunen erleichtert, um sie dann später in der 2. oder 3. Fassung entsprechend aufzustocken ..... wie man die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit groß-aufgemachter Hotel-Bauten überzeugt ..... wie sogar Landschafts-Schutz offiziell umgewandelt werden kann .... wie man plötzlich Bäume umsägt, wenn sie dem Projekt im Wege stehen .... alles herrlich deutlich von ihm erzählt – nur leider mitten aus dem Leben.



Bau-Projekt: Margarethenhof/Lanserhof


“Wachstum tut not, sagt die Krebszelle”


Die Pointen zur Verdeutlichung seiner Botschaften prasseln geradezu auf die Zuhörer ein. Unmöglich, sich alle zu merken. So zum Beispiel: “Wer im Hotel wohnt, muss es sich ja nicht anschauen”. Oder wenn er architektonische Fehlgriffe als Dracula-Vielfalt im Tankstellen-Milieu bloßstellt.

Das alles hat bei ihm ernsthaften Hintergrund. Wenn er etwa auf den jährlichen Landschafts-Verbrauch von 20.000 m² bei uns hinweist. Wenn er aufzeigt, wie eine in Hunderten von Jahren gewachsene Bau-Kultur in diesen Zeiten herrlich kaputt gemacht wird. Wenn er das abhanden gekommene Feingefühl für Proportionen beklagt – für räumliche wie gestalterische Proportionen. Das alles war ja einmal da – man muss sich ihrer ja nur wieder bewusst werden, zeitnah und mit Gefühl umgesetzt. “Ästhetik entsteht aus Ordnung und Vielfalt”, sagt er.

Und damit sind wir beim Brutto-Sozialprodukt, bei der wirtschaftlich erbrachten Leistung. Worin ist eine solche Leistung zu erkennen, wenn ein bisher nachhaltig genutztes Stück Landschaft nun plötzlich für einen Einzelnen zugebaut und mit dichten Hecken eingefriedet wird? “Auch die Nachhaltigkeit ist ein Aspekt der Schönheit”, erinnert er.


“Dem Fortschritt einen Sinn geben!”

Das ist seine Botschaft. Beispielsweise die Gestalt von Häusern und der landschaftlichen Umgebung so zu entwerfen, dass sie auch langfristig Bestand hat.Wenn also ein Öko-Sozialprodukt statt eines Brutto-Sozialprodukts geschaffen wird. Auch kann nicht sinnvoll sein, dass wir für Krankenkassen-Beiträge mehr ausgeben als für unsere Ernährung,

H.J.Menge

P.S. Für Förderreuthers Poesie Album: “Die Misserfolge eines Arztes kann man beerdigen – bei Misserfolgen eines Architekten kann man nur anraten, Efeu zu pflanzen”.




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